Der Notfall

Langsam entfernt sich der Rettungswagen vom Hof. Sie versucht, einen klaren Kopf zu bewahren und nun an das Notwendige zu denken. Badutensilien und Kleidung für ihn einpacken. Mitten in der Nacht ist es gar nicht so einfach, an alles zu denken, aber man kann sich die Notfälle ja nun mal nicht aussuchen. Auf der Fahrt zum Krankenhaus malt sie sich die schrecklichsten Szenarien aus. Was ist, wenn er sich dort in seinem geschwächten Zustand noch eine Lungenentzündung einfängt oder er hat sie schon. Was, wenn die Ärzte es nicht erkennen oder die Viren und Bakterien resistent sind und nicht mehr auf die Medikamente anschlagen? Man hört so etwas ja immer wieder. Düster blickt sie in die Zukunft. Die trauernde Witwe, das Haus, der Garten, die Tiere. Verzweiflung macht sich breit. Das Schlimmste ist, dass sie sich gar nicht verabschieden konnten. Es ging alles so schnell.
„Ah, da sind Sie ja. Sie können Ihren Mann gleich wieder mitnehmen. Wir haben ihm etwas Hustensaft gegeben. Es ist nur eine einfache Männergrippe“.
Copyrights Sabine Adameit

 
Share this:
Share

2 Kommentare

  1. Bärbel Roese

    13. Januar 2018 at 10:35

    Na, liebe Sabine, da hast du mich für kurze Augenblicke in Angst und Schrecken versetzt! Gut gelungen!
    Aber eine Männergrippe soll in der Tat schlimmer zu ertragen sein, als wenn uns Frauen eine Grippe trifft (habe ich bei Visite (?) im TV erfahren. Gruß an den Leidenden!!
    Bärbel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2018

Theme von Anders NorénHoch ↑

Share