Kategorie: Gegen das Vergessen (Seite 12 von 16)

Das Boot

Help!

Help

„Allah sei Dank, wir haben es geschafft!“ Schweißüberströmt blickt er in die ängstlichen Augen seiner Frau. Die Kinder schmiegen sich zitternd an sie. Das Baby wimmert zum Herzerbarmen. Es hat Hunger, wie immer. Das Boot schaukelt bedrohlich, 250 Menschen teilen es sich. Wellen schwappen hinein. Die Hitze ist unerträglich. Nicht mehr lange dann ist alles gut. Keine Todesangst mehr, keine Verfolgung. Die Hoffnung gibt ihm Kraft, seine Familie zu trösten: „Wir werden ein Heim haben. Keine Menschen, keine Bomben mehr, die uns bedrohen.“ Traurig denkt er zurück an die schrecklichen Erlebnisse. Drei seiner Kinder haben es nicht geschafft. Die Bande hatte sie verschleppt. Er musste es hilflos mitansehen.

Sturm zieht auf. Das Boot stößt in die Wellen. Bis zu den Knien geht das Wasser nun schon. Arm in Arm hält sich die Familie, sie beten. Jeder für sich. Die Wogen peitschen ihnen ins Gesicht. Schützend beugt sich die Mutter über ihr Baby. Leise summt sie ein Lied, um es zu beruhigen. Es ist stockdunkel geworden. Nur die Blitze erhellen den Himmel beängstigend. Noch immer ist kein Land in Sicht.

Die Furcht steigt ihm in die Kehle. Wie lange wird uns das Boot noch tragen? Unruhe breitet sich aus. Bloß jetzt nicht panisch werden. Es wird alles gut. Allah ist mit uns. Er hat es möglich gemacht, dass wir fliehen konnten. Er wird uns beschützen.

Ein unbeschreiblicher Knall reißt ihn aus seinen Gedanken. Das Boot macht einen unglaublichen Satz, hebt ab, dreht sich in der Luft und kentert. Als er wieder auftaucht, hört er von weitem lautes Wimmern und Schreien. „Sira“, brüllt er in die Finsternis, „Shari, Jalia wo seid ihr?“ Verzweifelt kämpft er gegen die Strömung an, um zu den Stimmen zu gelangen. Seine Kräfte lassen nach, die Brecher sind zu stark. Allah beschütze meine Familie, waren seine letzten Gedanken.

© Sabine Adameit

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Warum Ich?

In der großen weiten Welt
hört und sieht man nur noch
von Gewalt und Terror
Ausbeutung und Krieg
und ich lebe hier
in meiner kleinen Idylle
meinem Paradies
in herrlicher Natur
Frieden und Stille
Harmonie und Liebe
Wie lange noch
darf ich das genießen
warum ich?
Kater schnurrt auf meinem Schoß
Hund zu meinen Füßen
mein Schatz verwöhnt mich
und ich bete
und ich danke
für so viel Gnade.
Wer hat sie verdient?
Wer nicht?
Warum ich und nicht sie?
©S.Adameit

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Mahlzeit

Der Tisch ist reichlich gedeckt.
Abendessen, Kerze an,
sanfte Musik aus dem Radio.
Noch ein Toast,
es schmeckt grad so lecker.
150 Tote, 300 Verletzte
durch Selbstmordattentäter.
1,3 Millionen Menschen im Yemen
stehen vor dem Hungertod.
Ist noch etwas Lachs da?
Wieviele Menschen bekommen Essen
durch meine Spenden?
Zwei oder drei?
Wenn die Banken nur 1%
ihrer Gewinne einsetzen würden,
müsste keiner mehr hungern.
Nur einfach vom Gewinn.
Was ist daran so schwierig?
Wir werden nicht Hunger leiden,
die Reichen werden nicht ärmer
Was ist das für eine perverse Welt?
Auch Banker sind Menschen,
sie haben Kinder
Gerade ein S8 bekommen.
Reichst du mir mal bitte
das Brot rüber?
©S. Adameit

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Noch

Was unterscheidet die 33er
von der heutigen Zeit?
Wenn ich die Nachrichten sehe
zunächst einmal nicht viel.
Und dennoch
etwas ist anders
noch können wir uns wehren
noch können wir aufschreien
noch sind sie nicht wirklich organisiert.
Aber unsere demokratische Rechtsordnung
muss nun Flagge zeigen.
Früher wurde dieser Mob unterschätzt
die Gefahr ist groß
dass es heute wieder passiert.
Steht auf
achtet auf die Signale.
Wir dürfen nicht schweigen
wir dürfen nicht dulden
frei nach dem Motto
Wehret den Anfängen.
Copyright S.Adameit

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