Schlagwort: Alleine

Lonesome

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Ohne Netz und doppelten Boden

 

Immer rebelliert
Gegen Reglements
Vorschriften, Traditionen
Althergebrachtes, Überholtes
Nichts unbedacht akzeptiert
Alles auf Sinn, Nützlichkeit
Und Praktikabilität überprüft
Nie hinterhergelaufen
Der Masse nachgeplappert
Immer selber gedacht
Für gut oder schlecht befunden
Mutig, laut
Und ungebrochen
Um nun festzustellen
Dass sie fehlen
Die Eltern mit ihren Regeln
Gutgemeint, beschützend
Wie leicht
Kann man revoltieren
Mit so einem weichen Netz
Von Fürsorge und Liebe
Wie alt muss man werden
Um diesen Schutz
Nicht mehr zu brauchen?
Um zu erkennen
Dass das Leben ohne Eltern
Der erste Schritt
Ins wirkliche Leben ist
Ohne Netz und doppelten Boden
Ganz alleine
Ohne Behüter und Beschützer
Erwachsen werden.
Copyrights Sabine Adameit

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Portrait III

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Altersarmut

Mein Leben lang gearbeitet, geschuftet
Aufgeopfert für die Firma
Für einen Hungerlohn
Konnte kaum
Die Familie ernähren
Nie verzagt
Immer weitergebuckelt
Nun sind die Kinder
Aus dem Haus
Haben ihr eigenes Leben
Die Frau starb an Krebs
Nun, mit 75 Jahren
Sitze ich im Rollstuhl
Blicke auf mein Leben zurück
Aus meinem kleinen
Kargen Zimmer
In das ich geschoben wurde
In ein Heim
Das ich mir nicht aussuchen konnte
Weil das Geld fehlt
Ein Leben für die Familie
Immer nur gespart
Um den Kindern
Wünsche zu erfüllen
Ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen
Meiner Frau konnte ich nichts bieten
Das bißchen, was wir hatten
Bekamen die Kinder
Sie haben nun ihr eigenes Leben
Da ist für mich kein Platz
Was sollen sie auch
Mit einem alten, kranken Mann anfangen?
Mit den Enkeln kann ich nicht spielen
In meinem Rollstuhl
Vor meiner Sauerstoffmaske
Haben sie Angst
Das kann ich verstehen
Ich will ihnen ja auch nicht
Zur Last fallen
So lebt jeder sein Leben
Meines gab es nicht.
Copyrights Sabine Adameit

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Stille Nacht

kann so laut sein,

dass sie weh tut.

Zurückgeworfen zu dir,

kein Ausweg,

Du und die Natur,

das Leben im Ursprung,

Du und nur noch Du.

Ungewohnt, beängstigend,

konzentriert

auf das Wesentliche.

Keine Auswege, keine Ausflüchte,

keine Ablenkung, kein Fluchtweg.

Du mit dir, ganz alleine.

Schwarze Nacht,

schöne Nacht,

im Einklang,

so ungewohnt.

Nichts ist mehr wichtig,

nur noch die Stille,

nur noch die Nacht

ohne Sterne,

ohne Halt.

Probleme so klein

und nichtig.

Erkenntnis, Ehrfurcht.

Lichter in der Ferne,

Sanfter Regen,

Grashalme,

die sich unterhalten

sich im Winde wiegen.

Kleiner Mensch

sitzt und staunt,

bewundert, resigniert

vor so viel Größe,

so viel Kraft,

so viel Stille.

in der Nacht.

© Sabine Koss

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